HTML5 vs. Flash

Derzeit ist in aller Munde der anstehende, neue Standard HTML5. Bietet HTML5 wirklich so viele Funktionen und Möglichkeiten, dass Flash zukünftig überflüssig wird? Verliert Flash durch den Einsatz von HTML5 seine Daseinsberechtigung? Eine entscheidende Antwort darauf kann heute nicht gemacht werden, wenn auch Steve Jobs unmissverständlich sich gegen Flash geäußert hat.

Die Grundlage für HTML5 wurde bereits im Jahr 2004 gelegt. In diesem Jahr gründeten kurzerhand die größten Browserhersteller, Apple, Opera und die Mozilla Foundation unter dem Namen „Web Hypertext Application Technology Vorging Group – kurz WHATWG – eine HTML-Arbeitsgruppe und veröffentlichten erste Entwürfe für eine neue Spezifikation namens „Web Applications 1.0“, welche den Grundstein für das heutige HTML5 darstellt. Im Oktober 2009 beschloss das W3c (World Wiede Web Consortium) unter Vorsitz des Internet-Pioniers Tim Berners-Lee den strengeren Standard XHTML durch HTML5 abzulösen. Ursprünglich wollte das W3C Konsortium parallel einen eigenen Webstandard XHTML 2 der auf Basis von HTML 4 und XHTML 1 – welcher seit dem Jahr 2000 als Standard gilt – aufbaut. Der XHTML 2 Standard sollte mit dem aktuellen Standard von HTML 4 und XHTML 1 kaum noch was gemeinsam haben, und rein auf XHTML aufbauen. HTML5 ist dagegen abwertskompatibel und hat vor allem das Ziel, HTML sinnvoll zu erweitern und zu verbessern. Die Entscheidung, welcher Standard letztendlich das Rennen macht, hatte aufgrund der Macht der Arbeitsgruppe WHATWG, der inzwischen Google ebenfalls angehört, die bessere Ausgangssituation. Das W3C hat mittlerweile eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, die ebenfalls an HTML5 arbeiten, somit wurde der einst angedachte Standard XHTML 2 zwischenzeitlich wieder eingestellt. HTML5 soll bereits 2012 den Level W3C Candidate Recommendation erreichen.

Was genau bringt denn der neue Standard HTML5 mit?

Genaugenommen sind die Neuerungen von HTML5 ganz überschaubar. Insgesamt wurden weniger als 30 neue Tags definiert (als Tags bezeichnet man die in Klammer gesetzten Elemente, welche die Grundlage der HTML-Programmiersprache bilden). Die vielversprechensten Neuerungen sind hierbei die Canvas- und Video-Elemente. Zusätzlich wurden weitere Ergänzungen für das „semantische Web“ definiert. Diese Tags sind massgeblich dafür verantwortlich, dass mehr Inhalte für Suchmaschinen lesbar werden. Ein klassisches Beispiel ist hier die semantische Suchanfrage direkt in den Ergebnislisten. Mit dem Canvas-Element (deutsch Leinwand), können in einem rechteckigen Bereich – durch die JavaScript-Sprache – pixelgenau Inhalte positioniert werden. Dies ermöglicht viele neue Spielereien, die sinnvoll oder sinnlos sein können. Genauso interessant ist das Video-Element. Der „video-Tag“ ermöglicht in Zukunft ohne Plug-In’s, Videos direkt in Websites einzubetten und abzuspielen. Das hört sich in erster Linie sehr sinnvoll und interessant an. Aber, die Antwort welcher Codec in der Zukunft als Standard-Codec verwendet wird, ist bis heute noch nicht definiert. Eigentlich sollten ja Standards das Ergebnis erzielen, dass einheitliche Regelungen definiert werden. Beim Video-Codec ist sich die Arbeitsgruppe nicht einig. Apple mit Safari setzen hier auf den kommerziellen MPEG-Codec H.264, für dessen Nutzung ab 2016 Lizenzen anfallen. Firefox und Opera setzen dagegen auf den Open-Source-Codec „Ogg Theora“. In der Kompression bietet der H.264 Codec Vorteile gegenüber dem Ogg-Codec. Wie die Lizenzbedingungen des H.264 zukünftig aussehen werden, ist heute noch nicht bekannt. Für Websitebetreiber kann das in Zukunft aber wieder bedeuten, dass mehrere Technologien vorgehalten werden müssen.

HTML5 bietet vor allem im Bereich der Usability neue Möglichkeiten. Denkt man alleine einmal an die vielen Formular-Seite, die zukünftig durch den neuen Standard besser und einfacher bedient werden können. Oder sehen wir das rasante Wachstum von mobilen Endgeräten wie zum Beispiel das iPhone, das iPad oder die Android Handys. Hier bietet HTML5 mit der Gesten- oder Touchscreensteuerung viele neue Möglichkeit für die Bedienung einer mobilen Website.

Abschließend ist aus meiner Sicht die Technologiefrage noch lange nicht geklärt. Ob HTML5 Flash wirklich ablöst glaube ich nicht. Alleine die Unentschlossenheit im Video-Codec setzt schon voraus, dass hier weiterhin unterschiedliche Technologien zum Einsatz kommen können. Warum dann nicht gleich mit Flash entwickeln? Genauso bleibt die Frage offen, wie viele User weiterhin trotz HTML 5 Standard den Flash-Player installiert haben. Wenn die Zahl der installierten Flash-Player von 90 Prozent – oder selbst 80 Prozent – immer noch überschritten ist, sehe ich die Diskussion der Technologie als überflüssig. Dass sich Flash in Zukunft weiterentwickeln wird ist auch klar. Adobe wird schon in absehbarer Zeit sämtliche mobile Plattformen wie Android, Symbian, WebOS, BlackBerry oder auch Windows Mobile mit dem Flash-Player oder der Laufzeitumgebung AIR bedienen. Was für die Entwicklung wiederum bedeuten kann, dass mit der Entwicklungsumgebung von AIR ein Großteil der mobilen Technologien abgedeckt werden kann. Welcher Marktanteil dann Apples iOS übernimmt bleibt abzuwarten. Ob Apple sich auf Dauer der Flash-Technologie verschließt, bleibt abzuwarten.

Weiterführende Links zum Thema HTML5.

Möchten Sie Ihren Browser auf HTML5 testen? Rufen sie hierzu die Internetseite „www.html5test.com“ auf. Bei dem Projekt von Niels Leenheer erhält man in einer grafischen Übersicht, welche HTML5-Funktionsbereiche Ihr Browser unterstützt. Die maximale Punktzahl die erreicht werden kann ist 300 Punkte. Beim Test mit Safari 5.0.3 erreichte dieser 208 Punkten.

– Apples HTML5 Showcase: www.apple.com/html5
– Googles Showcase: www.chromeexperiments.com
– Canvas 3D Modell: http://bit.ly/3d_modell
– Diverse HTML5 Showcases: http://bit.ly/showcases
– Drag and Drop: http://html5demos.com/drag

Veröffentlicht von

thomass

Thomas Seruset, Geschäftsführender Gesellschafter der zeroseven design studios in Ulm.

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