3D Produktvisualisierung auf dem iPad

Die Darstellung über 3D Objekte ist schon lange eine interessante Möglichkeit im digitalen Bereich Produkte zu visualisieren. So gab es bereits zu den Dot-Com Zeiten im Jahr 2000 sehr ausgefeilte aber bis dato nur zum Teil ausgereifte Technologien. Mit Viewpoint zum Beispiel war damals eine Technologie auf dem Markt, die sich auf Grund ihrer Lizenz-Politik und eines zusätzlichen Browser-PlugIns leider nicht durchsetzen konnte. Eine wesentliche Hürde war zu den damaligen Zeiten auch die Bandbreite des Internets. Ein weiteres Problem war, dass die 3D Objekte in der Regel einige MB groß waren. Da sich die 3D Objekte aus Polygonen zusammensetzen, steigt der Qualitätsfaktor mit der Anzahl der Polygonen. Das bedeutet, dass ein 3D Objekt, welches eine hohe Anzahl von Polygonen vorweist, eine deutlich bessere Qualität in der Darstellung hat, als ein 3D Objekt mit weniger Polygonen. Heute bietet sich das iPad förmlich für die 3D Visualisierung von Produkten an. Allein durch die Spieleentwicklung gibt es heute einige 3D Render-Engines die für die Darstellung von 3D Objekten verwendet werden können. Einige der heute erhältlichen Bibliotheken sind auf Basis von 2D Spielebibliotheken weiterentwickelt worden. Das sind beispielsweise Bibliotheken wie cocos3D, Metaio oder auch Unity. Teilweise sind die Bibliotheken OpenSource und somit kostenfrei, teilweise ist für die Nutzung eine Lizenzgebühr fällig. Der Vorteil der OpenSource Bibliotheken besteht darin, dass es hier meistens eine große Community gibt, die die Bibliotheken entwickeln und somit auch eine gute Dokumentation vorhanden ist. Darüber hinaus kann man in der Entwicklung in die Sourcen schauen und schneller verstehen, was Eigenschaften einer Funktion sind. Die 3D Engine’s greifen größtenteils besser und direkt auf die Grafikkarten des iPad zu – im Vergleich zur normalen UIKit – und gewährleisten dadurch auch eine performante Darstellung und Handhabung der 3D Objekte. Aber nach wie vor gilt auch hier, wie damals schon, dass die Kunst der perfekten Darstellung darin besteht, mit welcher Anzahl Polygonen ein 3D Objekt umgesetzt wird. Schnell ist hier die Polygonanzahl von 400.000 überschritten. Was wiederum bedeutet, dass die Grafikkarte hier doch sehr in Anspruch genommen wird und somit die iPads der neueren Generation sich besser eignen. Ab dem iPad 3 mit Retina-Auflösung hat sich die Darstellung der 3D Objekte nochmals deutlich verbessert. Das Retina-Display stellt die Kanten der 3D Objekte doch sehr fein – und somit ohne grobe Pixeleffekte – dar. Sie werden in der Darstellung noch geglättet.

Auch die Bewegung und Gestensteuerung der 3D Objekte hat schon einen spielerischen Anspruch. Das bedeutet, der Käufer oder Interessent bestimmt selber, aus welcher Position oder welchem Blickwinkel er das 3D Objekt betrachten möchte und welches Detail ihn dabei interessiert. Darüber hinaus können die 3D Objekte explosionsartig zerlegt werden. Das bedeutet in der Programmierung, dass einzelne Element direkt angesteuert werden. Somit lassen sich komplexe Abläufe und erklärungsbedürftige Vorgänge über einfach Gestensteuerungen darstellen. Einzelne Objekte aus dem 3D Modell lassen sich auch über Hotspots ansprechen und hervorheben. An unserem Beispiel eines Roboters können einzelne Komponenten ausgewählt werden und selbst beim Drehen des Objektes bleibt eine Verbindung zum einzelnen Bauteil vorhanden. Somit können auch hier zu den einzelnen Bauteilen die Erklärungen einfach integriert werden. Ebenfalls lässt sich das 3D Objekt über eine Zwei-Finger-Steuerung in einzelne Bauteile zerlegen. Auch hier kann die Darstellung der einzelnen Bauteile in der Außenhülle transparent gesetzt werden um die Zusammenhänge dieser Baugruppe zu erklären.
Neben der eigentlichen 3D Visualisierung über reale 3D Objekte, werden auch gerenderte Einzelbilder zu einer 3D Darstellung zusammengesetzt. Dies hat mit 3D wenig zu tun, da die gerenderten Bilder starre Darstellungen sind und eine Bewegung meist nur in eine Richtung möglich ist. Hier bestimmt nicht der User die Position der Darstellung sondern die gerenderten Bilder. Zwar kann man in den Renderings fotorealistische Qualität erreichen, aber die Bewegung ist immer anhand der Einzelbilder vorgegeben. Das Zerlegen des Objektes wäre über die Renderings auch nur bedingt möglich. Hier müsste man für jede Bewegung und Darstellung dann die Einzelbilder rendern. Somit würde bei einer Retina-Auflösung die Datenmenge bei mehrstufigen Animationen explosionsartig ansteigen.

In der App werden zur 3D Darstellung „.pod-Dateien“ verwendet. Ausgangsdatei ist vor der Umwandlung eine Colada-Datei. Die Colada-Datei ist ein offener Standard und wird von vielen 3D Programmen unterstützt. Das 3D Programm „Blender“ unterstützt zum Beispiel dieses Dateiformat. Je nach dem wie die 3D Objekten zusammengesetzt sind, können einzelne Untergruppen angesteuert und angesprochen werden. Das hängt davon ab, wie das 3D Objekt aufgebaut ist.

Viele Unternehmen setzen heute im Vertrieb das iPad ein. Das eigentliche Potential und die Möglichkeiten über die 3D Objekte Produkte zu inszenieren und für Kunden spielerisch darzustellen wird bis heute lange nicht ausgereizt. Sieht man die Möglichkeiten am Beispiel von Autohäuser, könnte der Autoverkäufer über eine App die Konfiguration eines Fahrzeuges bis ins Detail vornehmen. Geht man hier einen Schritt weiter und sieht die Möglichkeiten für eine Autowerkstatt – wie sich Montageanleitungen auf einmal über 3D Visualisierungen ersetzen lassen. Oder, wie Monteure auf dem iPad die komplette Einbauanleitung zu Hand haben. Hier könnten viele Beispiele genannt werden, wie der Einsatz dieser Technologie effizient und im Vergleich zu aufwändigen Produktvideos eingesetzt werden kann. Der Ausbau ist schneller – bezüglich einem Objekt, das geändert und angepasst werden muss. Darüber hinaus liegen die Produktionskosten der 3D Objekte weit unter denen eines Produktvideos.

Veröffentlicht von

thomass

Thomas Seruset, Geschäftsführender Gesellschafter der zeroseven design studios in Ulm.

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