Auslandssemester 2.0: Zwischenruf aus Mexiko Episode I

Hola México, adios Alemania!

An Weihnachten habe ich mir noch das eher triste Wetter in Deutschland schön mit selbst gebackenen Plätzchen, Lebkuchen und anderen Leckereien versüßt und noch einmal mit der Familie das Jahr Revue passieren lassen. So sitze ich am 25. Dezember morgens bereits schon im Flieger nach Mexiko. Nach monatelanger Planung und Organisation ist es nun endlich soweit: Das Abenteuer Auslandssemester kann losgehen.

Während meines drei Jahre dauernden dualen Studiums habe ich nun zum zweiten Mal die Möglichkeit, innerhalb eines weiteren Semesters Auslandserfahrung zu sammeln. Und so kommt es, dass ich am Morgen des besagten Tages das nasse und kalte Deutschland hinter mir lasse und es stattdessen heißt: Tacos y Tequila!

Nicht, dass ich besonders interessiert daran wäre, stundenlang neben etwas zu breit geratenen Menschen, denen Deodorant ein Fremdwort zu sein scheint, eingequetscht zu sein. Genauso wenig bin ich ein Feinschmecker der Flugzeugküche, aber was nimmt man nicht alles in Kauf … Spaß beiseite: Nach ziemlich genau 24 Stunden komme ich am 1. Weihnachtsfeiertag um 23 Uhr Ortszeit überglücklich in Mexiko an. Zu diesem Zeitpunkt habe ich drei Flüge, nette Bekanntschaften und viele schlaflose Stunden hinter mir. Was mir dabei als Erinnerung hängen bleibt, ist der fulminante Anblick von Mexiko-Stadt bei Nacht: Ein nicht enden wollendes Lichtermeer.

Aber jetzt mal von Anfang an:

Ich – Franzi, 25 Jahre – bin momentan im 5. Semester meines dualen Studiums der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Dienstleistungsmarketing. Während den beiden zurückliegenden Jahren bei den zeroseven design studios konnte ich bereits sehr viele Einblicke in das Agenturleben bekommen und mich in spannende Projekte einbringen. In den Theoriephasen besuche ich die Duale Hochschule Baden Württemberg (DHBW) in Heidenheim. Und hier wären wir schon am Punkt: Ich habe das große Glück während meines Studiums nun zum zweiten Mal ein Auslandssemester absolvieren zu dürfen. So kommt es, dass ich hier in Mexiko bei 22 °C auf der Terrasse meiner Wohnung sitze und Euch von meinen Eindrücken und Erfahrungen berichten möchte.

Lasst mich Euch an dieser Stelle erst mal über mein neues Zuhause berichten:

León – oder auch ganz förmlich León de los Aldama (aber ehrlich gesagt, habe ich das hier noch niemanden sagen hören) – liegt im Bundesstaat Guanajuato. Die Stadt mit seinen ca. 1,5 Mio. Einwohnern ist auch bekannt als „Capital Mundial del Calzado“. Das bedeutet so viel wie Weltstadt des Schuhwerks. León zählt neben Mexiko Stadt, Monterrey, Guadalajara und Puebla zu den fünf einflussreichsten und wichtigsten Städten Mexikos. Auf 1.800 Metern Höhe kann hier die Luft schon mal knapp werden, aber daran werde ich mich bestimmt schnell gewöhnen. Die Durchschnittstemperatur liegt hier im Jahr etwa bei 20 °C. In den Wintermonaten, vor allem jetzt im Januar, zeigt das Thermometer nachts unter Umständen auch mal nur 5 °C an. Das ist dann für die Mexikaner aber schon die Schmerzgrenze. Das äußert sich darin, dass die Studenten mit Schal und Handschuhen in den Klassenzimmern sitzen und sich mit Schimpfwörtern über das kalte Wetter beklagen. So kommt es auch, dass ich in den ersten zwei Wochen an der Uni schon mehr Schimpfwörter auf Spanisch gelernt habe, als ich in meinem ganzen Leben wohl jemals auf Deutsch in den Mund nehmen werde. Spätestens Ende März wird man hier dann aber mit Temperaturen über 30 °C entschädigt.

Kulturelles im Auslandssemester: Wahrzeichen Leon

Faszination Mexiko

Ich werde immer wieder gefragt, warum es mich nun schon zum wiederholten Male nach Mexiko zieht. Die Antwort auf diese Frage ist immer dieselbe: Das Land mit seinen so unterschiedlichen Facetten, die Kultur, vor allem aber die Menschen haben mich in ihren Bann gezogen. Die Lebensfreude, die die Menschen hier ausstrahlen und ihre positive Energie fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Welche Frage mir dann meist gleich danach gestellt wird, ist, ob ich keine Angst oder Bedenken hätte wegen der Kriminalität im Land. Ehrlich gesagt: Bevor ich das allererste Mal hierher kam, habe ich mir diesbezüglich schon Gedanken gemacht. Natürlich gibt es hier nicht nur Sommer, Sonne, Strand und Meer, wie man es vielleicht von Urlaubsfotos von Cancún oder Yucatán kennt. Allerdings ist das, was uns in den Medien über Drogen, Korruption und Kriminalität übermittelt wird, nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Das Land ist viel, viel mehr als das. Jeder sollte sich ganz ohne Vorurteile sein eigenes Bild von Mexiko machen. Ich von meiner Seite kann Euch nur sagen, dass es für mich das faszinierendste Land ist, das ich bis heute bereist habe. Weshalb das so ist, werdet ihr in den nächsten Wochen hier lesen.

Feliz ano nuevo!

Am Flughafen in León angekommen werde ich sehr herzlich in Empfang genommen und bekomme in den ersten Tagen gleich einen Eindruck, was man hier unter Gastfreundschaft versteht. Da ich nach der langen Anreise und der Zeitverschiebung von sieben Stunden in den ersten Tagen doch noch etwas gerädert bin, freue ich mich, dass man hier die Feiertage sehr ruhig verbringt. Denn Weihnachten und Silvester sind hier noch richtige Familienfeste. Und wenn ich hier von „Familie“ spreche, dann stellt Euch bitte keine kleine Feier im Rahmen der Familie mit Oma, Opa, evtl. ein paar Tanten, Onkel und Cousins vor, wie wir es aus unserer Kultur kennen. Nein, hier reisen die Verwandten zu den Feiertagen aus ganz Mexiko an, um ein paar schöne Tage mit unglaublich viel und leckerem Essen miteinander zu verbringen. Da kommen die Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten und Neffen, Geschwister, Cousins und Cousinen, die sich sonst vielleicht nur einmal im Jahr sehen, um in großer Runde das Jahr ausklingen zu lassen. Die Herzlichkeit, mit der ich hier aufgenommen wurde, ist unbeschreiblich. Man fühlt sich nicht als Gast, sondern als Teil der Familie. Traditionell wird hier an den Feiertagen Truthahn gegessen. Dazu gibt es leckeren selbst gemachten Punsch. Ehrlich gesagt muss ich mich noch etwas an das mexikanische Essen gewöhnen, aber dazu ein anderes Mal mehr. Man sitzt gemütlich zusammen, tauscht sich über das vergangene Jahr aus und – nicht anders als bei uns – wundert man sich, dass die Kleinen der Familie von Jahr zu Jahr größer werden. An Silvester wurde ich in einen Brauch eingeweiht, den ich bisher noch nicht kannte: Kurz vor Jahreswechsel werden auf dem Tisch 12 Trauben ausgebreitet. Zu jedem Glockenschlag wird dann eine Traube gegessen und sich dabei etwas für das neue Jahr gewünscht. Bei 12 Wünschen ist die Chance tendenziell größer, dass zumindest einer davon in Erfüllung geht.

Meine ersten Tage hier in Mexiko hätte ich also nicht schöner verbringen können.

Weihnachten in Mexiko - Centro Historico

Krippenspiel am Centro Historico

Bitte entschuldigt mich, dass ich an dieser Stelle meinen ersten Bericht nun beende, aber es ist mittlerweile spät geworden und hier beginnt die Uni morgens bereits um 7 Uhr.

Das nächste Mal werde ich Euch dann von meinen ersten Tagen und Wochen an der Uni berichten und Euch so an meinem Erlebnis „Auslandssemester 2.0“ teilhaben lassen.

Hasta luego,
Franzi

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